Sonntag, Dezember 18, 2005

Liebe zu dritt

Von einem Freund wurde ich auf die Gruppe "Stereo Total" hingewiesen. Wer jetzt sagt: "Habe ich noch nie gehört.", zeigt exakt die gleiche Reaktion wie ich.
Aber man will ja nicht so sein und hört sich die entsprechende Musik an. Und ich war in diesem Fall mehr als nur positiv überrascht.
Ich kann mich nicht daran erinnern jemals so laut und schallend gelacht zu haben wie bei dem folgenden Lied. Ungeachtet jeglicher sexueller Präferenzen lege ich es jedem ans Herz sich einmal dieses wahrhaft göttliche Lied anzuhören. Alleine der französische Akzent der Sängerin ist eine unvergleichbare Perle der Musikgeschichte.

Stereo Total - Liebe zu dritt

Isch liebe es Liebe su machen, am liebsten su dritt.
Das ist total out, das ist Hippie-shit, aber isch sage es laut: Isch liebe Liebe su dritt.
Isch liebe es von vier Händen gestreischelt zu werden.
Ist der eine müde, der Zweite ist fit, uuuh, bei der Liebe su dritt.

Uuuuh, isch liebe Liebe su dritt.
Uuuuh, isch liebe Liebe su dritt.

Isch liebe es Liebe su machen, am liebsten zu dritt.
Das ist total out, das ist Hippie-shit, aber isch sage es laut: Isch liebe Liebe su dritt.
Es ist sexy, ekstatisch, tierisch animalisch,
Crazy, romantisch, es ist kommunistisch.

Uuuuh, isch liebe Liebe su dritt.
Uuuuh, isch liebe Liebe su dritt.
<diverses Gestöhne>

Uuuuh, isch liebe Liebe su dritt.
Uuuuh, isch liebe Liebe su dritt.
Uuuuh, isch liebe Liebe su dritt.
Uuuuh, es lebe die Liebe su dritt.

Und am siebten Tag...

Und am sechsten Tage schuf Gott den Menschen. Und er sah, dass es gut war.
Aber als er sich am siebten Tage in seinen teuren Designerledersessel zurücksinken ließ, um genüßlich, mit einem Cocktail in der Hand, das Paradies durch die große Fensterwand vor ihm zu betrachten, passiert es: Ein lautes Klirren zerriss die Harmonie, die der himmlische Engelschor verbreitete, Splitter fielen klirrend zu Boden und ein kleines, nicht definierbares Geschoss flog direkt auf Gott zu, knallte gegen sein filigranes Cocktailglas und brachte es zum Bersten. Glassplitter flogen gleich Giftpfeilen durch die Gegend und bohrten sich in den Boden und Gottes Designerledersessel. Gott saß noch ganz benommen in dem sich langsam mit Cocktail vollsaugendem teuren Designerledersessel und starrte fassungslos auf die Lache zu seinen Füßen, als an der zersplitterten Fensterfront das verlegen grinsende Gesicht von Adam auftauchte:
"Ey sorry, Mann. Hab' ich echt net gewollt."
Er kratzte sich verlegen die zerzausten Struppelhaare und lies den Blick von der demolierten Fensterfront, über den entstellten Designerledersessel zu der kleinen splitterdurchsetzten Cocktaillache am Boden gleiten, in der sich noch ein kleiner Kieselstein drehte.
"Boah, voll heavy. Ging ja voll ab der Kiesel. Krass, gell?"
Langsam drehte sich Gott in seinem Designersessel um und richtete seinen göttlichen Blick auf Adam. Während er ihm böse anstarrte, wurde sein Gesicht erst tomatenrot, dann blutrot und schließlich weinrot. Scheißperlen bildeten sich auf seiner Stirn und verdampften dann kurz darauf wieder zu zischenden Dampffontänen.
"Ey sorry, Mann. Ey, echt, ey. Ich...äh...geh' dann mal, ne?"
Adam rannte panisch davon, während die Temperatur in Gottes Wohnung stetig stieg.
Gott nahm in Zeitlupentempo den kleinen Kieselstein und zerdrückte ihn in seiner geballten Faust zu einer kleinen kompakten Masse. Dann konnte er sich nicht mehr halten und schrie sich seine Wut, begleitet von Vulkanausbrücken, Sturmböen, Springfluten und Donnerschlägen, aus dem Leibe. All seine Wut, Boshaftigkeit und seinen Zorn den Menschen gegenüber brüllte er dem Stein entgegen, und hauchte ihm damit das Leben ein.
Und so schuf Gott am siebten Tage jene Kreatur, die allen Hass und Zorn auf die Menschheit kompensiert. Die Verköperung der Heimtücke, der Herr der Unverschämtheit, der König der Niederträchtigkeit, so entstand am siebten Tage von Gottes Schaffen sein schlimmstes Werk:
Der Schaffner.
Geboren durch den Hass auf die Menschen, lebt er nur um Unglück und Verderben eben Jenen zu bringen, so auch am Freitag:
Vollkommen unschuldig fuhr ich wie jeden Freitag von Marburg gen Heimat, doch eine dramatische Wendung ("Oberleitungsschäden und umgestürzte Bäume auf den Schienen" wie die Durchsagepraktikantin mehrmals unsicher in ihr Mikrophon säuselte) führte dazu, dass just in Gießen mein Trödelbähnlein nach Frankfurt durch einen verspäteten Schnellzug überholt wurde. Diese zunächst dramatische Wendung stellte sich jedoch schnell als Wink des Schicksals heraus, denn so konnte ich bequem in den Schnellzug umsteigen und frohen Mutes mit Gepäck und Freundin ohne lästige Zwischenstops in Frankfurt einfahren.
Und so kam es, dass ich exakt um 16:09 Uhr in Frankfurt einfuhr. Eine Zeit, die es mir ermöglichte noch den Anschlusszug um 16:10 Uhr zu nehmen.
Wie ein Bekloppter (also ein mit Gepäck beladener Student am überfüllten Frankfurter Hauptbahnhof) rannte ich durch die Massen und sah meinen Zug doch noch tatsächlich auf seinem Gleis stehen. Mit Freundin und einer Unbekannten rannten wir dem Licht am Ende des Tunnels entgegen, als vor uns die Türen zugingen.
Doch so schnell gaben wir nicht auf. Wir kämpften, rannten zur Tür und rissen sie auf.
Die Tür war auf! Wir konnten einsteigen!
Wirklich?
Hinter der Tür erhob sich ein finsterer Schatten mit dunkelblauer Uniform und Trillerpfeife um den Hals. Ein Schaffner!
"EY!! Die Tür war schon zu! Der Knopf ist doch schon gedrückt!"
Mit zornigem Gesicht griff er nach der eben geöffneten Tür und schlug sie kräftig wieder zu.
Und da stand ich mit Gepäck, Freundin und offenem Mund und musste zusehen, wie mein Zug vor meinen Augen langsam losfuhr und aus dem Bahnhof tuckerte.
Nochmal, weil's so schön war:
Beladen mit Gepäck drängelte ich mich zu meinem rettenden Zug und musste mir ansehen, wie sich die Türen vor meinen Augen schlossen. Doch glücklicherweise lies sich eine Tür noch öffnen.
Doch unglücklicherweise war ein Schaffner dahinter, der mich anschrie, die Tür vor mir wieder zuschlug und kurz darauf samt Zug und Hoffnung davonfuhr.
Und entgegen aller Hollywoodphilosophien hatte das Böse gewonnen.

Freitag, Dezember 09, 2005

Lernen geht durch den Magen

Wer dachte, dass ich bereits tot sei, wird wohl enttäuscht sein.
Noch hat mich das Studium nicht in die Knie gezwungen, im Gegenteil: All der Stress und die Hektik machen kreativ und neugierig. Und so muss es wohl gekommen sein, dass ich mich habe überreden lassen meine ersten eigenen Sushirollen zu produzieren.
Es waren meine ersten zaghaften Versuche nahrungsmitteltechnisch einfallsreich und gestalterisch kreativ zu werden, was man in Zeiten von Fastfood und Imbissbudenkost kaum noch gewohnt ist.
Als ich vor meinem ersten ausgerollten Noriblatt mit Reisüberzug saß, konnte ich die vollkommene Ungebundenheit beim Erstellen der Füllung der Sushirolle kaum fassen.
Ich saß unschlüssig und vollkommen starr vor vielen Schüsseln mit Dingen, die nur darauf warteten in meine Sushirolle gestopft zu werden. Auf meine laienhafte Frage, was man denn in eine Sushirolle hineinzustecken habe, antwortete meine erfahrene Co-Köchin nur verwirrt: "Was du willst. Das ist wie Pizza."
Pizza.
Pizza?
Was um alles in der Welt haben Pizza und Sushi denn gemeinsam, schoss es mir durch den Kopf. Leicht verwirrt legte ich vorsichtig etwas Lachs auf mein mit Reis bestrichenes Noriblatt.
"Fertig."
"Naja, wenn das alles ist, was du haben willst."
Nur wenige Augenblicke später saß ich strahlend vor meiner ersten Sushirolle. Zugegeben, rückblickend gesehen war sie etwas sehr mager, schließlich war nur ein einziges kümmerliches Streifchen Lachs hineingebettet worden, vergleichbar mit einer Pizza, auf der nur eine einsame Salamischeibe liegt.
Doch mit der Zeit wird man immer neugieriger (oder leichtsinniger?) und beginnt unzählige Zutaten wild durcheinander auf die Rohsushis zu werfen. Die Streifen von Lachs, Avokado, Omlett, Gurke und Karotte flogen nur so durch die Gegend, dass jeder Jongleur vor Freude gequietscht hätte.
Das Ergebnis meiner wilden Sushiorgie (oder besser: die Reste) sieht man auf dem nachfolgenden Bild.


Und für all diejenigen, die noch nie Sushi gegessen haben sollten: Ihr verpasst etwas!
Auch wenn sich matschiger Reis mit "Pizzabelag" in Tang eingewickelt sehr exotisch und gewöhnungsbedürftig anhören sollte, macht es Riesenspass solch ein Kunstwerk selbst zu kreiren.
Jeder der gerne selbst seine Pizza belegt, wird an selbstgemachten Sushirollen seine helle Freude haben.
Ich zumindest bin, im wahrsten Sinne des Wortes, auf den Geschmack gekommen.

Dienstag, November 15, 2005

Schon Kult: meine Nachbargeschichten

Ich weiß nicht, ob ich schon von meinem schwarzen Nachbarn geschrieben habe. Er wohnt bei mir gegenüber. Er ist ein Tier. Ich schwöre es! Meistens sehe ich ihn nur morgens. Wenn ich ihn sehe, bin ich immer fasziniert von ihm, von seinen anmutigen Bewegungen, von seiner ganzen Art. Aber eigentlich habe ich mit meinen Nachbarn nicht so viel zu tun.... Was kann ich über ihn berichten? Ich habe ja noch nie mit ihm geredet.
Und es wird nie dazu kommen, weil er immer vor mir flüchtet....Aber ich glaube, dass er Single ist! Zumindest habe ich ihn noch nie in Begleitung einer anderen gesehen.
Aber reden werde ich trotzdem nie mit ihm, ich kann nicht... (und er auch nicht, weil er ein Nager ist.)
Ihr habt es ja schon erraten, mein Nachbar ist ein Eichhörnchen und wohnt gegenüber meinem Balkon auf dem Baum. Aber es ist kohlrabenschwarz!!! Ich dachte immer, Eichhörnchen halten Winterschlaf, das habe ich aus dem Mediziniheft gelernt. Bald wird er sich also für lange zurückziehen und ich werde es nicht mehr zu Gesicht bekommen. Wie es mir mit so vielen anderen Leuten ergangen ist.

Mittwoch, Oktober 26, 2005

Klarsichthüllen?

Kennt irgendjemand noch Klarsichthüllen?
Das waren diese durchsichtigen Doppelplastikblätter, zwischen welche ein begabter Mensch mit etwas Geschick ein Blatt (oder manchmal sogar mehrere Blätter) schieben konnte. Dadurch waren die beidseitig gepolsterten Blätter immun gegen schwitzige Hände, Vogelkot, Nasenbluten, Regen, den Locher und Marmelade von stets-auf-die-bestrichene-Seite-fallenden Broten.
Früher hatte jeder gute und wichtigwirkende Schüler einen Stapel Klarsichthüllen in seinem Schulgepäck, um all die wichtigen Dokumente, die man während der Schulzeit zugesteckt bekommt, knitterfrei an einen sicheren Ort transportieren zu können (zumeist die heilige letzte Kategorie im Schulordner). Gegen Ende des Schuljahres hatten Klarsichthüllenhersteller immer Hochkonjunktur, denn dann gab es Zeugnisse, die unter allen Umständen ohne den kleinsten Knick und Fleck von der Hand des Lehrers in die besagten Klarsichthüllen gleiten mussten. Nicht auszudenken was passiert wäre, wenn das überaus wichtige Zeugnis, das man damals in der 3b bekommen hatte, einen Fleck hätte.
Aber diese Zeiten sind nun leider vorbei, traurig aber wahr.
Was? Ihr protestiert? Ihr gehört wohl noch zu den Konservativen, die eisern an den Plastiklappen festhalten und behaupten, dass doch noch JEDER Klarsichthüllen benutzen würde. Bis heute Nachmittag habe ich auch noch fest an die unumstößliche Notwendigkeit der Klarsichthüllen geglaubt, bis mein naiver Glaube in einem Marburger Schreibwarenladen mit Kopierern und allem möglichen Schnickschnack aufs tiefste erschüttert wurde.
Folgende Konversation fand fast wortwörtlich zwischen meiner Wenigkeit und der Besitzerin des Ladens statt:
Besitzerin: Wie kann ich Ihnen helfen?
Ich: Ich wollte fragen, ob Sie hier Klarsichthüllen verkaufen.
Besitzerin: Wie bitte?
Ich: Klarsichthüllen. Verkaufen Sie hier Klarsichthüllen?
Besitzerin: Da muss ich mal schauen.
>>Die Besitzerin steht einige Moment orientierungslos herum, bis sie sich an eine Kollegin wendet.<<
Besitzerin: Sag mal, haben wir Klarsichthüllen?
Kollegin: Mmmh, das weiß ich nicht. Keine Ahnung.
>>Die Besitzerin verharrt für einen Augenblick, bis sie sich entschließt sich an einen weiteren Kollegen zu wenden.<<
Besitzerin: Weißt du ob wir Klarsichthüllen verkaufen?
Kollege: Was?
Besitzerin: Klarsichthüllen.
Kollege: Was?
Besitzerin: Klarsichthüllen.
Kollege: Ich habe das nicht verstanden. Was sollen wir verkaufen?
Besitzerin: Klarsichthüllen!
Kollege: Ich weiß nicht. Ich glaube nicht.
>>Die Besitzerin steht unschlüssig im Laden, bis sie sich verwirrt wieder an mich wenden.<<
Besitzerin: Was zum Teufel wollen Sie denn damit!?
Ich: Ich...äh...wollte Blätter reinstecken.
>>Stille.<<
Ich: Das, was man eben mit Klarsichtfolien macht. Man steckt Blätter rein.
Besitzerin: Mmmh. Nein, Klarsichthüllen haben wir keine da. Tut mir Leid.
Natürlich habe ich mich im Anschluss gefragt, wie die Frage nach Klarsichthüllen ein dermaßen großes Aufsehen erregen konnte. Es war nicht so, dass ich nach illegalen Rauschgiften oder von Kindern handgeknüpften Decken aus Pakisten gefragt hätte. Ganz im Gegenteil: Ein Schreibwarenladen erschien mir ein idealer Anlaufpunkt für die Frage nach Klarsichthüllen gewesen zu sein.
Letztlich kam ich zu der Erkenntnis, dass Klarsichthüllen mittlerweile wohl aus der Mode gekommen sein müssten. Wie sonst hätte sich solch eine Ratlosigkeit erklären lassen können?
Aber ich kann alle Leser beruhigen. Es gibt scheinbar noch Verwandte der Klarsichthüllen, die man im Großhandel kaufen kann. Allerdings sind es keine "Klarsichthüllen" mehr, sondern modisch, neue "document pockets". Hat das irgendjemand schon einmal gehört?
Gleich ob das marburger Mundart oder eine weitere Folge der Anglikanisierung unserer Sprache ist: Ich will wieder meine guten, alten Klarsichthüllen zurück. Als sie noch so hießen waren sie auch viel besser.
Nun ja, was solls. Ich muss jetzt noch die Blätter meines Workbooks sammeln und mein Sandwich für morgen schmieren, weil mein Zeitmanagement für den morgigen Tag sonst vollkommen aus den Fugen gerät und nichts mehr Sinn macht.

Sonntag, Oktober 23, 2005

Ein nostalgisches Photo

Nachdem ich im letzten Post einen Fund vom Aufräumen meines Zimmers veröffentlicht habe, ist diesmal wohl ein nostalgischer Fund vom Aufräumen meines Computers an der Reihe. Irgendwo verschüttet zwischen Texten, Bildern, Videos, Liedern und Spam fand ich diese seltene Überlieferung aus einer Zeit, die manch einer bereits als bloße Fantasie abtat. Es ist der verzweifelte Versuch für eine gute Freundin vor einer winterlichen Schulsportplatzidylle ein Geburtstagsgruppenbild zu stellen. Man beachte das perfekt gekünstelte Grinsen, das jedes abgebildete Gesicht ziert, während sich innerlich wohl jeder den gleichen Gedanken aus der Seele geschrieben haben mag: "Verdammt, ist das hier kalt! Jetzt drück schon ab!"

Guckst du:


Was mich als kritischen Betrachter noch weitaus tiefer erschüttert als die Erinnerungen an längst verflossene Tage oder die wunderschöne Wahl des malerischen Hintergrundes, ist die Tatsache, dass dieses Bild mindestens 2 Jahre alt sein muss und ich vor wenigen Tagen an der Uni exakt die gleiche Kleidung trug. Die gleiche verdreckte Jacke und die gleiche abgescheuerte Hose. Ist das nicht viel schockierender?
Hoffentlich stürze ich nun nicht in eine tiefe Identitätskrise und werfe mir vor seit der 12. Klasse keinerlei Persönlichkeitsentwicklung durchlaufen zu haben.
Aber diese Gedankengänge sind wohl typisch deutsch. Man sieht nur das Negative, niemals das Positive. Also entbreche ich demonstrativ der Norm (schließlich bin ICH Deutschland) und konzentriere meinen Blick auf all die positiven Dinge, die dieses Bild vermittelt/ausstrahlt...
...
...
...
Bitte hilf mir doch jemand : (

Dienstag, Oktober 11, 2005

Alliterationen an die Macht!

Beim Aufräumen meines Zimmers entdeckte ich ein hervorragendes Beispiel für die kreativen Leistungen zu denen langweiliger Schulunterricht anspornt.
Was macht man, wenn man 90 Minuten endlos langweiligem Mathematikunterricht bevorsteht? Richtig! Man schreibt eine ellenlange Alliterationen.

Hier das Resultat:

Willi Wilfrieds wildes, weißes Wiesel, welches wahnsinnig wohlhabend war, will wider Werners widerstandslosen Willen wieder wertvolle walisische Waren wegtransportieren, weil wichtige Warentransporte werktags wegen Wochenendauflagen wahrscheinlich widersprüchlich werden würden, weshalb wir wiederum wirklich wütend werden.

Okay, wer kann das toppen?

Mein Tip des Tages: Benutzt mehr affige Alliterationen! Wozu gibt es sinnlose Synonyme und fragwürdige Füllwörter?

Mittwoch, Oktober 05, 2005

(k)Ein Weihnachtsmärchen

Es begab sich aber zu der Zeit, dass der Stockstädter Provinzchor ein wunderschönes Konzert zum Besten gab, auf dass alle Welt kommen und lauschen möge.
So begab sich auch D. K. aus G. am R. mit seinem gewohnt dualplattem Rad auf die lange Reise in die ferne, ferne Weite um nach Stockstadt zu gelangen, das Kuhdorf in weiter, weiter Ferne.
Und je weiter er sich von zu Hause entfernte, desto beschwerlicher wurde die Reise, denn die Temperatur und der Luftdruck seines Reifens sanken stetig.
Der Nullpunkt war noch nicht erreicht, als er etwas erblickte, was nur eine Spielerei seines Geistes sein konnte: Vor ihm erleuchtete inmitten des dünnbesiedelten Kuhdorfes ein riesiges Haus in allerlei bunter Farben, gleich einer Milkakuh im Scheinwerferlicht eines Lastkraftwagens.
Doch so schnell wie diese Halluzination in seinen Geist gedrungen war, schien sie auch wieder verschwunden, denn D. K. aus G. am R. war abgebogen und plattete mit seinem Rad weiter gen Provinzchorkonzert.
Die Zeit während des Konzertes floss dahin. Die Gedanken an das wundersame, bunte Haus verblassten, wie ein Wollpullover, der nicht mir Perwoll gewaschen worden war. Betört vom Gesang des stockstädter Chores und verstört vom Gesang eines gefallenen Solisten, bestieg D. K. aus G. am R. einmal mehr seinen ausgedörrten Drahtesel um sich wieder dem heimatlichen Kuhdorf zu nähern.
Doch da ragte es plötzlich wieder auf, gleich einer "Süddeutschen" inmitten eines Stapels Dorfzeitungen: Das leuchtende Haus.
Geblendet von der Einzigartigkeit und den vielen blinkenden Lichtern des Hauses, hielt D. K. aus G. am R. erst an, dann inne. Grelles Licht, kitschiger Schmuck und vollkommen verfrühte Zurschaustellung: Es konnte nur Weihnachtsdeko sein.
So wie man auf den ersten Schnee hofft und seiner Lieblingsserie entgegenfiebert, genauso erhoffte D. K. aus G. am R. aus diesem fiebrigen Alptraum zu erwachen: Weihnachtsdeko zum Tag der deutschen Einheit? Waren dort vielleicht jemandem die vielen deutschen Feiertage durcheinander gekommen? Hatte jemand ein zweieinhalbmonatigen Urlaub vor sich? Wohnte dort der Weihnachtsmann oder war D. K. aus G. am R. mit dem vakuumrädrigen Gefährt einfach nur weitaus langsamer voran gekommen als er gedacht hätte?
Mühsam wie eine Motte vom Feuer konnte sich D. K. aus G. am R. abwenden, zog seine nichtvorhandene Jacke enger, rückte seine aus Luft gewebte Pudelmütze zurecht, schlitterte über die prä-vereisten Straßen und freute sich auf all die schönen Geschenke die zu Hause sicher nicht auf ihn warten würden.

Frohe Weihnacht überall!

Montag, Oktober 03, 2005

Writing in the rain..

Zweiter Oktober Zweitausendfünf.

Falls dieser Tag in irgendeiner Hinsicht erwähnenswert sein sollte, dann wohl, weil es von sechs Uhr morgens bis 21 Uhr abends hartnäckigst durchnieselte. Ich habe so etwas in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt. Was habe ich mir bloß dabei gedacht, nach Regensburg zu ziehen?? Aber zum Glück bin ich gegen jegliche Wetterkapriole immun, und so hatten ich und meine Wohnung einen Tag lang ruhig Zeit, uns kennen zu lernen.
In der Küche begegnete ich der zweiten Seele in drei Tagen in diesem ausgestorbenen Gebäude: sie ist Venezualenerin (???) und lernt hier Deutsch. Entsprechend wackelig sind ihre Deutschkenntisse. Ich glaube, sie hat keinen einzigen grammatikalisch richtigen Satz gesagt und ich war fasziniert, dass ich sie trotzdem verstehen konnte. Und die verblüffende Tatsache, dass im Spanischen die Aussprache des Buchstabens "b" und "v" nicht unterschieden wird, wurde auch bestätigt. Sie sagte "Wuch" und "Boche", und ich musste schmunzeln.

Im Radio empfängt man nur einen Sender, ich habe es ausprobiert. Er ist waschecht bayrisch und bringt von morgens bis abends die größsten Hits der Zwanziger, Dreißiger und Vierziger. Ok, vielleicht sind die Bayern doch lokalpatriotisch...

Ich habe zu meiner großen Freude festgestellt, dass sich mein neues Heim in der geometrischen Mitte von drei Parks befindet. Der Supermarkt ist auf der anderen Straßenseite. Soviel comfort, das bin ich gar nicht gewöhnt, ich bin ganz gerührt...

Nachricht an den Stammleser: habe mich in eine Deutschlandkarte vertieft und verdammt M. ist ja weit weg. Nur so am Rande.

To be continued...

Sonntag, September 25, 2005

Als Klein-Katrein auszog, um das Tanzen zu lernen

Ich hatte heute eine Verabredung mit meinem potenziellen neuen Tanzpartner. Dass ich nicht das Gelbe vom Ei erwartete, darauf habe ich mich schon eingestellt. Dieser Abend heute sollte aber meine kühnsten Erwartungen übertreffen, was an Peinlichem möglich sein kann. An mir hat es nicht gelegen, wie könnt ihr das denken? Es gibt aber einfach Leute, die sind von Natur aus peinlich, auch wenn diese Spezies selten ist. Aber zum Glück habe ich ja ein geschicktes Händchen dabei, diese rarsten Perlen herauszufischen.

Ich war schon um 19 Uhr in Darmstadt, und hatte noch eine volle Stunde totzuschlagen. Ich habe mir deswegen nicht viele Sorgen gemacht, im Zeit-beim-Warten-auf-öffentliche-Verkehrsmittel-totschlagen vertraue ich auf meine langjährige Erfahrung. Also bin ich selbstbewusst in das nächste Kino marschiert und habe mich an den Tisch im Foyer gesetzt. Ich, mein Kirschgarten, unterbeschäftigtes Kinopersonal und ziemlich gute Musik aus dem Radio, dazu der Geruch von frischem Popcorn, so habe ich mich auf den Abend, der da kommen sollte, eingestimmt.

Dann komme ich also erwartungsfroh an und stoße prompt auf einen großen- sagen wir- „Herrn“, der mir unter allen anderen Umständen nicht mal aufgefallen wäre, wenn auf seiner Stirn „Eier“ geschrieben wäre. Und ja, das war Harald. „Harald“. Hallo „Harald“. Ich setze mein leuchtendstes, charmantestes Lächeln auf, und merke sofort, dass es an ihm völlig verschwendet ist. Und dabei liegt es nicht mal an seinem Tick, zu allen passenden und unpassenden Kommentaren mit „Ja, richtig, ja“ zu antworten und dabei wie ein Wilder mit dem Kopf zu nicken. Das ist dann immer die Stelle gewesen, in der sich die andere Person in einer Sitcom, in dem Fall ich, zur Kamera dreht und übertrieben mit den Augen rollt. Gut, niemand ist perfekt. ABER es gibt trotzdem keine Rechtfertigung dafür, mit SO einer Jeansjacke aufzutauchen, wie es Harald tat. Ich habe noch nie so eine schlecht sitzende und unmodische Jeansjacke gesehen. Sie war das erste, was mir an ihm auffiel, sie sprang mir regelrecht ins Auge wie ein kleines Klammeräffchen. Sie sollte sich schämen, sich von so einer Person tragen zu lassen, die Jeansjacke. Überhaupt hatte „Harald“ mit seinen siebenundreißig Jahren den Charme eines Pferds. Nein, einer Küchenschabe. Aber ich will die Küchenschabe nicht beleidigen. Es ist unglaublich, ich bin so einer Person noch nie begegnet. Jetzt habt ihr den Eindruck, ich sei total oberflächlich. Aber das stimmt nicht. Ohnehin habe ich mir schon zu Beginn gesagt, dass mir diese Äußerlichkeiten unwichtig sein werden, wenn man gut miteinander tanzen kann. Und auf „GoldII“-Niveau tanzte man nach meiner Vorstellung wie ein Gott. Leider war „Harald“ so beweglich wie ein Stock. Nur beim Anblick dieser unbeholfenen, abgehackten Bewegungen läuft es mir kalt den Rücken herunter. Er war ja der festen Überzeugung, dass der Herr führen sollte. ...einen ECHTEN kalten Schauer später... also, wie sagte ich, der Herr soll führen. Aber NICHT ohne Rücksicht auf die Konstitution der fragilen Dame sie hin und her schubsen, wie einem der Schnabel gewachsen ist!

Das Niveau meines goldigen Partners erwies sich schnell als extrem ausbaubedürftig. Mir kam es so vor, dass er in jedem Tanz die selben drei Schritte abspulte; auf eine mechanische Weise, dass einem die Tränen kommen könnten. Tanzen soll doch Spaß machen, was zum Beispiel durch ein Lächeln oder einer anderen Geste des Wohlwollens ausgedrückt werden könnte.. notfalls auch gespielt. Ich dachte, dass seien die einfachsten gesellschaftlichen Konventionen, die man mit neun Jahren gelernt hat.

Übrigens will ich erwähnen, dass er sich in der Anzeige, auf die antwortete, als „gutaussehend“ und „sportlich“ bezeichnet hatte. Erlaubt mir, laut aufzulachen. Mit seinem Alter hätte er vom Aussehen her locker mein OPA sein können.

Jetzt wird´s langsam eine Karikatur, aber ich spreche nichts als die Wahrheit. „Harald“ hätte mit seinem Outfit und seinem Aussehen nicht nur jedem Hauptschul-Hausmeister Konkurrenz machen können. Er hatte zudem einen Mundgeruch zum Fliegentöten!! Nach zwei Tänzen tropfte ihm der Schweiß die Nasenspitze runter und lief über seinen Mund, so das beim Sprechen die Tropfen nur so spritzen. Das ist keine Übertreibung. Also ich tanze, drehe mich, und schaue verzweifelt in die Runde, wer mich den retten könnte. Gibt es keinen netten Gymnasial-Hausmeister, der mit mir eine Runde tanzen würde?? Aber es war hoffnungslos, denn wohin man schaut nur Paare. Glückliche, sich im Kreise drehende, lachende Paare. Meine Strumpfhose zerreisst, weil mir „Harald“ wieder auf die Zehen getreten ist.

Roboter-Harald ist übrigens leitender Angestellter für Kläranlageninstallationen. Er plant und baut sie. Oder so. Nichts gegen Kläranlageninstallationen. Aber sie verrohen ihre leitenden Angestellten. Wobei, jetzt wissen wir auch, woher der Mundgeruch kommen könnte...

Vielleicht konntet ihr bis jetzt meiner Erzählung mit Totengräbermine folgen. Ich auf jeden Fall musste während des Abends es mir mehrmals verkneifen, laut aufzulachen. Eigentlich war das alles doch so witzig! Ich habe mich schon „amüsiert“; soweit dies möglich ist. Der Saal, die Musik, die Stimmung waren ja auch wirklich gut. Trotzdem habe ich mir mehrmals auf die Lippen gebissen und innerlich laut aufgelacht. .... kurz vor 22 Uhr habe ich dann bedauernd erklärt, dass ich zum Bus müsse, der ja bedauerlicherweise nur alle zwei Stunden fahren würde. Und 24 Uhr, das wäre doch wirklich zu spät.... Vor allen Dingen, weil die Veranstaltung schon um 23 Uhr ende, nicht wahr. „Ja, richtig, ja.“ NICKNICKNICK. Aber der galante Herr hat mich natürlich zu der Bushaltestelle begleitet. Wo natürlich weit und breit kein Bus war. Aber schließlich wolle ich ihm nicht zumuten, mit mir auf den Bus zu warten. Vor allen Dingen, weil ich ja nicht mal so genau wüsste, wann er denn kommt! Keine Ahnung, ob er gemerkt hatte, dass das mit dem Bus reine Schwindelei war, es kann gut sein, so doof war er dann nicht. Er meinte wiederholt, dass wir ja gemeinsam einen Salsa-Kurs machen könnten, und ich habe das natürlich global-galaktisch als möglich bestätigt. Was man nicht der Höflichkeit halber alles sagt... Er muss doch auch gemerkt haben, dass wir kaum miteinander tanzen können... Ich auf jeden Fall weiß, dass ich diese Person nie wieder sehen werde.

Aus der tiefsten Provinz

Hätte ich noch einen Beweis dafür gebraucht, dass wir uns hier in (ein grauenvolles Schauern später), in XXX in der tiefsten Provinz befinden, die von ignoranten Neandertalern in unbeheizten Höhlen bewohnt wird, heute habe ich ihn bekommen. Dies ist die Geschichte von ..., die auszog, um sich eine simple Zeitung zu kaufen.

Es sollte aber nicht irgendeine Zeitung sein, auch nicht die ZEITUNG (wie bei Böll), oder vielleicht die BILD, nein, ich hätte heute so gerne eine Ausgabe der "Süddeutschen" in der Hand gehalten, habe ich mich doch endlich rechtzeitig daran erinnert, dass besagte Zeitung jeden Montag mit einer Sonderausgabe der "New York Times" oder eines ähnlichen, auf jeden Fall englischsprachigen Blattes bestückt ist. Ich scheute keine Mühe und bin zur Total-Tankstelle gefahren (diese neben dem nach Frittierfett stinkenden Schnellimbissrestaurant) in XXX. Dort gab es zwar die FAZ, besagte Bild und unser Provinzblatt, aber eben nicht die Süddeutsche. Bestimmt war die wegen übermäßig großer Nachfrage schon längst vergriffen??

Danach war ich in zwei weiteren Einkaufsmärkten, wo sie Zeitschriften verkaufen, nirgendwo die besagte Zeitung. Ich frage mich- gehört das so? Bei der Süddeutschen handelt es sich nicht etwa um irgendeinen Fachschrott, sagen wir mal eine Zeitschrift für Guppy-Züchter, die nur von irgendwelchen eingefleischten Freaks gekauft wird. Nein, sie ist doch eigentlich eine recht bekannte und, ja, auch intellektuell fordernde Zeitung. DAS führte in G. in R. bei F. in H. wohl zu ihrem Aussterben...

Eigentlich ist es nichts Weltbewegendes, aber: man stelle sich vor. Hier bei uns gibt es also nur stinköde Provinzreportagen, schreierische Großformate und erzkonservative Kapitalistenlektüre. Gut, es gibt natürlich überall den Fokus und den Stern und den Spiegel und so, was akzeptables Lesefutter sein könnte. Aber ich wette, dass die nur wegen ihrer tollen buntigen Umschlägen und den vielen lustigen Bildern drinnen in den Regalen stehen...

Mittwoch, September 21, 2005

Kreative Poesie

In einem spontanen Anfall von Kreativität haben meine Freunde und ich diese entsetzlich tiefgründigen Gedichte erstellt, die natürlich ALLE eine wichtige weltpolitische und gesellschaftskritische Aussage haben.
(Bitte steinigt mich nicht, weil ich sie veröffentliche! Wer keine Schuld an diesen Gedichten hat, möge den ersten Stein werfen.)

(1)
Verrückte Zeit

Vier Sünden herrschen
und irgendein Nichtraucher
Maschinen für Fortschritt, zuverlässig
verschwinden hinter ihm

(2)
Inhalt: Auslandshotline

Funkanstalten audiometrisch erworben,
staatliche Servicekauffrau erhalten.
Berufsakademie Theaterwissenschaft; Ausbildungsinhalt?
Veterinärmedizinische Erforschung wird Teilzeitform.

(3)
SITZEN.
Ihr schiebt gleichgültig Goldmünzen,
Sprecht böse,
Liebt es doch, das Bare.
Mich, mich!!
WEGGEHEN.

(4)
Welche Gelassenheit?
Dank dir wieder verärgert!
Befähigt einem unbekannte Begleiterscheinung,
Brachen Insel mit diesem Eindruck.

(5)
Herrentoilette
Als mir jeder Zufall Beweis war,
Zerfetzte kein Ruf nicht,
Als Anpfiff ablief.

(6)
Gefängnis

Gewickeltes sonst überlassen.
Wand durschauen, tanzbrausend...
...und er unterliegt Mozart.
Schwarzer Raum.

(7)
Privatklage

Tiefseetauchgerät ausgestattet:
industrialisieren, explodieren...
Swapgeschäfte verhindern.
Gegebenenfalls Zivilcourage.

(8)
Natürlich

Denkbare Angelegenheiten erschrecken,
Als sie unter sich stand.
Du und die Gesonnenen,
Natürlich um.

(9)
Mit behutsamer Miene lassen DIE vordergründige Probleme aus.
Noch Erwarten, noch Bewundern.
Schließlich tritt die Vertragszeit.


Für den unwahrscheinlichen Fall, dass jemand nicht weiß wie man diese Gedichte erstellt:
(Man blättert durch ein Buch, deutet zufällig mit dem Finger auf die Seite und notiert das getroffene Wort) x 15
Dann werden alle Wörter in eine beliebige Reihenfolge gebracht.

Sonntag, September 11, 2005

Die Krone der Technik

Dass Computer zuweilen etwas eigensinnig sind, dürfte wohl für niemanden wirklich neu sein. Auch mein Computer macht hier keine Ausnahme und erfreut sich bestialisch daran, wenn er mich mal wieder zu der Rechenformel "Strg + Alt Gr + Entf = neues Glück" getrieben hat.
Für gewöhnlich ist er zur Genüge bedient, wenn er mich einmal am Tag grundlos aus dem Internet wirft, eine handvoll Fehlermeldungen anzeigt und dreimal meinen Explorer das Zeitliche segnen lässt.
Manchmal gibt sich meine Rechenmaschine aber auch mehr Mühe und lässt die Tonwiedergabe plötzlich abbrechen, weigert sich einen Druckauftrag anzunehmen, behauptet keine angeschlossene Maus vorzufinden oder beschließt nicht mehr aus dem StandBy-Modus aufzuwachen.
Gelegentlich, wenn er das Gefühl hat eine lange Zeit nicht mehr heimtückisch und gemein genug gewesen zu sein, setzt er mich vor ein paar wirkliche Schmankerl:
Einmal fand er es ganz lustig den Bildschirm nach fünfminütiger Benutzung in ein nervöses Ruckeln, dann ein nerviges Flackern und schließlich in ein nichtssagendes Schwarz zu tauchen.
Ein anderes Mal kam er auf die Idee genau unter meiner Hand eine Batterie in der Maus explodieren zu lassen.
Zwischendurch hatte er auch eine Phase, in der er insgesamt 3 CD-ROM-Laufwerke in wenigen Monaten verschrottete, samt CD.
Erst gestern musste sich die "Krone der Technik" für so erhaben gehalten haben, dass sie dem armen Drucker ein Blatt dermaßen ungeschickt ins Maul stopfte, woraufhin ich nachts fast eine Stunde lang mit Schraubenzieher und tintenverschmierten Händen vor einem Berg von Plastik, Papier und Technik saß, um einen kleinen Schnipsel Papier wieder ans Tageslicht (= Küchenlampenlicht) zu bringen.
Irgendwann resigniert man und gesteht sich ein, dass der Computer am längeren Hebel sitzt. Dann kauft man neue Batterien, einen neuen Monitor und neue CD-ROM-Laufwerke.
Vor ein paar Tagen muss sich mein Computer etwa Folgendes gedacht haben: "Wie verdirbt man jemandem den Spass am Internet? Vielleicht indem man ihn schlicht und einfach nichts mehr lesen lässt! Genial!"
Ja, genial. Seit ein paar Tagen schaltet er beim Surfen im Netz beliebig zwischen allen nur erdenklichen Codierungen hin und her, woraus ein sehr übersichtliches Gesamtbild vor dem Benutzer des PCs entsteht. Übersichtlich muss es ja sein, schließlich wird man nicht länger durch störende Buchstaben oder Zahlen abgelenkt.
Wo das Auge nur hinblickt werden nun meist Leerzeichen oder hübsche kleine Rechtecke angezeigt. Gelegentlich ist mein Rechner aber gnädig und gewährt mir Einblicke in sein Können, indem er die Leerzeichen durch seltene Hieroglyphen wie kyrillische Schriftzeichen, Prozent-, Dollar-, Satzzeichen, Klammern aller Art oder mir noch unbekannte Gebilde ersetzt.

Ach ja, Technik ist doch etwas Wundervolles. Oder wie mein Computer zu sagen pflegt:
"ウェブウェブページから検索"

Montag, September 05, 2005

Ich mache den Führerschein

Mein erstes Praktikum habe ich auf einem Campingplatz an der französischen Atlantikküste absolviert. Campingfreunde aus aller Herren Länder (also aus Frankreich, Deutschland, England) gaben an diesem Flecken Erde ihr hart zusammengespartes Gehalt aus, um einen erholsamen Sommerurlaub zu verbringen. Meine Aufgabe bestand vor allen Dingen darin, recht freundlich dreinzuschauen, der Nationalität des Kunden entsprechend in seiner Muttersprache seine Fragen zu beantworten ("Haben Sie Fahrradkarten?" "Haben Sie Telefonkarten?"), Büroarbeiten zu erledigen und... Golfette zu fahren. GOLFETTE? Das war für mich eines der Dinge, von denen ich zwar weiß, dass sie existieren, aber über deren Funktion man sich nie wirklich Gedanken gemacht hat. Eine Golfette ist das kleine lustige batteriebetriebene Auto, dass man wohl auf Golfplätzen einsetzt, um seinem virtuos abgeschlagenen Ball nachzufahren. Auf dem Campingplatz diente es weitaus praktischeren Einsatzgebieten. Um jeden Morgen festzustellen, dass auch alle Gäste, die abfahren sollten, abgefahren sind, musste man mit der Golfette seine Runden auf dem Platz drehen und alle Stellplätze kontrollieren. Etwaige Abweichungen von der zuvor ausgedruckten Liste waren schleunigst über Funk an die Rezeption zu übermitteln.
Man stelle sich mein erschrockenes Gesicht vor, als ich zum ersten Mal jene Liste in die Hand gedrückt bekam. "Tu prends la golfette et tu fais les sorties." Faire les SORTIES?? (Keine Angst, das ist kein Französisch, das ist französischer Campingslang.) Und vor allen Dingen: Prendre la GOLFETTE?? Anmerkung an alle, die meine Wenigkeit nicht kennen: ich habe, meines Greisenalters zum Trotz, keinen Führerschein. Und jetzt sollte ausgerechnet ich dieses Ding nehmen und mir mein Handicap nicht anmerken lassen. "Du hast eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen. Dir kann nichts passieren."
Um es kurz zu machen, ich habe auch diese Herausforderung elegant gemeistert. Schon bald konnte man meinen Fahrstil nicht mehr von dem einer gewöhnlichen Frau unterscheiden. Ich drehte meine Runden in der GOLFETTE und die Menschen am Straßenrand, Männer, Frauen und Kinder, nickten mir anerkennend zu. Die Stunden für die Fahrten in der GOLFETTE wurden zu den schönsten der ganzen Woche. Eine waschechte Autodidaktin lernt eben auch selbst Auto fahren!

Sonntag, September 04, 2005

Der verfluchte erste Post

Ist es nicht beängstigend, dass jeder Mensch auf der Welt, der Internetzugang hat, genau DIESEN Post lesen (...gedankliche Verbesserung: sehen) könnte?
Ich habe das Gefühl, dass ich etwas Wichtiges und Denkwürdiges in meinen ersten Post schreiben sollte, damit all jene, die zufällig über diesen Post stolpern, anerkennend mit dem Kopf nicken und die Tiefgründigkeit meiner niedergeschriebenen Gedanken bewundern.
Doch was soll ich schreiben? Was erwartet man, was in einem ersten Post steht?
Es bedurfte keiner langen Odyssee zum Erstellen dieses Blogs, die ich nun auf amüsante Weise mit Witz und Esprit in eine Geschichte verpacken könnte, damit jeder über die sprachliche Kreativität und Wendigkeit meiner Wenigkeit hingerissn würde.
Es gibt auch niemanden, dem ich für seine rege Hilfe am Aufbau dieser Seite meinen Dank aussprechen könnte, denn in einer plötzlichen Anwandlung von Spontanität ist dieses Blog auf meinem eigenen Mist gewachsen.
Eine herzzerreissende Geschichte zu mir selbst und den Beweggründen dieses Blog zu eröffnen kann ich auch nicht anbieten.
Was soll ich also schreiben?
Sollte ich mich vorstellen?
Nein, denn es ist ja niemand hier, dem ich mich vorstellen könnte. Niemand weiß von dieser Seite. Und wenn sie jemand findet, ist er mit ziemlicher Sicherheit von mir hierher gelenkt worden und dann kennt er mich ohnehin. Warum sollte ich mich also einem Freund vorstellen? Und selbst WENN jemand, der mich nicht kennen sollte hierher gelangt, was geht es ihn an wo ich wohne, was meine Hobbys sind und wo ich meine Zahnpasta kaufe?
Vielleicht sollte ich ein passendes Lied suchen und online stellen um meine Seite mit einer Overtüre zu versehen.
Aber ich weiß gar nicht wie man ein Lied auf solch eine Seite bringt. Schließlich habe ich mich erst vor einer halben Stunde angemeldet und habe von meinen technischen Möglichkeiten hier so viel Ahnung wie eine Kuh vom Rückwärtsfliegen. Und selbst WENN ich es wüßte, würde ich wahrscheinlich stundenlang nach einem passenden Lied zur Eröffnung eines Blogs suchen. Und dann käme ich sicherlich wieder an meinem ersten Problem an: der Tiefgründigkeit.
Ich könne meine Ziele und Wünsche, die ich mit diesem Blog verbinde, erklären.
Aber ich weiß selbst nicht wohin diese Seit führen wird:
Werde ich gelegentlich gedankliche Ergüße von mir geben?
Wird diese Seite eine Platform für Kontakte zu Freunden?
Kann dieses Blog bald als virtuelle Vernissage bewundert werden?
Vielleicht verstaubt diese Domain und wird ewig ungenutzt bleiben?
Wer weiß schon wohin mich diese Seite führen wird? Ich kann und möchte mich gar nicht festlegen, denn dann verliert diese Seite genau das, womit sie vor 30 Minuten begonnen hat: Spontanität.
Und jetzt sitze ich hier und weiß noch immer nicht wie man den perfekten ersten Post schreibt.
Was bleibt mir anderes übrig als zu hoffen, dass es mir niemand übel nehmen wird, dass ich keine bedeutenden und weltverändernden Reden gehalten habe.
Die Welt wird sich durch meinen sinnlosen, ersten Post sicher nicht ändern.
Ich entschuldige mich bei all jenen, die mehr Substanz und Tiefgründigkeit bei einem ersten Post erhofft habe; bei meinen Freunden, bei den stummen Surfern, die hier zufällig vorbeikommen, bei den Neugierigen, die Blogs auf die Tiefgründigkeit des ersten Posts untersuchen und all den anderen, die sich durch diesen ellenlangen Post gekämpft haben ohne eine Erkenntnis erlagt zu haben.
Von nun an kann es nurnoch bergauf gehen.