Donnerstag, August 30, 2007

Last-day photo-shoot




Es gibt da einen Künstler, dessen Projekt darin bestand, die Leute an der Ampel in NY City zu fotografieren. An meinen letzten Tagen in einer Stadt fotografiere ich alles, was mir unter die Linse kommt, um so viele Eindrücke wie möglich festzuhalten. Gebäude, Details, Menschen... beim Durchschauen der Bilder, die nur wenige Stunden alt sind, überkommt mich ein seltsames Gefühl - dies alles ist noch so nah, doch schon vorbei für immer. Diese Aufnahme könnte vergänglicher nicht sein, und doch ewig wiederkehrend. Eigenartig ist es doch, die Fußgänger genau zu beobachten. Individuell in ihrer Uniformität, uniform in ihrer Individualität...

Donnerstag, August 23, 2007

Individualistische Uhren

Letztens musste ich den Zug nach Nancy um 6:38 Uhr nehmen. Ich stand also früh auf, ging pünktlich um 6:25 Uhr aus dem Haus und kam mir so schön organisiert vor. Am Bahnhof angekommen sehe ich die die Zeiger der Bahnhofsuhr auf 6:35 stehen. Ich renne schon, bevor ich mir Gedanken machen kann, ob ich wirklich so getrödelt habe, in ein Zeitloch gefallen bin oder ob die Uhr falsch geht. Ich halte ersteres für die wahrscheinlichste Lösung und sprinte die Rolltreppe hoch.

Im Rennen fällt mein Blick auf eine zweite Uhr über meinem Kopf. 6:28 Uhr. Das wäre zu schön, um wahr zu sein, aber die Uhr geht sicher falsch!

Keine zwanzig Meter fällt mein fiebriger Blick auf eine Dritte Uhr: 6:30 Uhr. Ich blicke nach rechts auf den Gleis. Dort ist es 6:33 Uhr. Mir bleiben fünf ruhige Minuten, um das Ticket zu stempeln und einzusteigen, aber mich auch über die Situation nicht wenig zu wundern. Vier Uhren im selben Bahnhof zeigen vier verschiedene Uhrzeiten an, und das in einer Situation, in der es um Leben oder Tod geht (oder zumindest um das Erreichen und Verpassen von Zügen). Nochmal Glück gehabt. Individualismus bei Uhren ist wirklich kontraproduktiv.
K.

Samstag, August 18, 2007

Tamen shi wo de pengyou

Hallo, wo ich gerade am Posten bin, hier ein Foto von zwei Mitbewohnerinnen im Wohnheim, gestatten, Lu aus China und Chin Hua aus Taiwan. Französische Hochschulen sind bei Studenten aus dem Land der Mitte sehr beliebt, und sie sprechen meistens ein beeindruckend gutes französisch.
K.

Physikalische Erklärungen


Die Stunden machen kleine Schritte

Und heben ihre Füße kaum.

Die Langeweile macht Visite.

Die Tanten flüstern über Dritte.

Und drüben, auf des Marktes Mitte,

schnarcht leise der Kastanienbaum.

So beschrieb Erich Kästner 1936 eine „Kleine Stadt am Sonntagmorgen“. Ich bin zwar weder in einer kleinen Stadt, noch ist es meistens nicht Sonntagmorgen. Doch irgendwie begegne ich dieser Stimmung in diesen Augusttagen seltsam oft. Irgendwie ist keiner da. Where are all the people? Nach meiner Theorie gibt es nur eine Erklärung: im Sommer dreht sich die Erde schneller, zumindest ist das in Frankreich der Fall, so dass wegen der erhöhten Zentrifugalkraft die Menschenmassen Richtung Küstenregion gepresst werden, während in der Mitte nichts als eine kästnereske Seelenruhe zurückbleibt.

Glückliche Elefanten

Zunächst fand ich dieses Bild nur lustig, und überhaupt, man sollte mehr fotografieren. Dann aber musste ich etwas stutzen. Auf dem Bild sieht man also glückliche Elefanten.

Also eigentlich sind es Elefanten mit Engelsflügeln.

Also sind Engel glücklich? Wie können sie es sein, wenn sie immer damit beschäftigt sind, andere glücklich zu machen? Oder aber macht das Andere-glücklich-machen einen selbst auch glücklich?

Daraus sollten wir unsere Konsequenzen ziehen.

Was aber passiert, wenn die Flügel den glücklichen, aber doch sehr schweren Elefanten nicht mehr tragen können und er, sagen wir, weil ich kein Glück habe, mir mitten auf den Kopf fällt? Steige ich dann selbst als Engel in den Himmel auf?

Wer kann mir auf so wichtige Fragen Antwort geben?

Montag, August 06, 2007

Wie ich zur Diskotheken-Gängerin wurde



Ich habe ein cooles Projekt. Ich habe mir eine Bibliothekskarte "lire et écouter" zugelegt. Damit kann man 6 CDs auf einmal ausleihen. Jetzt gehe ich immer in die Diskothek und leihe mir immer 6 CDs auf einmal aus, um sie zu Hause anzuhören und ggf auf den Computer zu kopieren. Nach meinen Rechnungen hätte ich so nach, sagen wir 20 Tagen, 120 neue Alben auf meinem PC. Und das für 20 euro für die Bibliothekskarte "lire et écouter".

Leider hinkt die Praxis der Theorie etwas nach. Will sagen, trotz ästhetisch ansprechender Covers (welch anderes Kriterium hätte ich Musikbanause noch) sind die meisten meiner Zufalls- leider Fehlgriffe, also irgendwie unhörbar oder nichtssagend. Aber manchmal ist doch was Schönes dabei. Oder zumindest kreative Albumstitel. So wie "We have the facts and we are voting yes" von Death Cab for Cutie. Also wenn jemand ein neues Hobby sucht, kann ich ihm CD-Hopping nur empfehlen.
Und es hat auch etwas, die erste Bedeutung von "Diskothek" zu kennen.