Sonntag, Dezember 18, 2005

Liebe zu dritt

Von einem Freund wurde ich auf die Gruppe "Stereo Total" hingewiesen. Wer jetzt sagt: "Habe ich noch nie gehört.", zeigt exakt die gleiche Reaktion wie ich.
Aber man will ja nicht so sein und hört sich die entsprechende Musik an. Und ich war in diesem Fall mehr als nur positiv überrascht.
Ich kann mich nicht daran erinnern jemals so laut und schallend gelacht zu haben wie bei dem folgenden Lied. Ungeachtet jeglicher sexueller Präferenzen lege ich es jedem ans Herz sich einmal dieses wahrhaft göttliche Lied anzuhören. Alleine der französische Akzent der Sängerin ist eine unvergleichbare Perle der Musikgeschichte.

Stereo Total - Liebe zu dritt

Isch liebe es Liebe su machen, am liebsten su dritt.
Das ist total out, das ist Hippie-shit, aber isch sage es laut: Isch liebe Liebe su dritt.
Isch liebe es von vier Händen gestreischelt zu werden.
Ist der eine müde, der Zweite ist fit, uuuh, bei der Liebe su dritt.

Uuuuh, isch liebe Liebe su dritt.
Uuuuh, isch liebe Liebe su dritt.

Isch liebe es Liebe su machen, am liebsten zu dritt.
Das ist total out, das ist Hippie-shit, aber isch sage es laut: Isch liebe Liebe su dritt.
Es ist sexy, ekstatisch, tierisch animalisch,
Crazy, romantisch, es ist kommunistisch.

Uuuuh, isch liebe Liebe su dritt.
Uuuuh, isch liebe Liebe su dritt.
<diverses Gestöhne>

Uuuuh, isch liebe Liebe su dritt.
Uuuuh, isch liebe Liebe su dritt.
Uuuuh, isch liebe Liebe su dritt.
Uuuuh, es lebe die Liebe su dritt.

Und am siebten Tag...

Und am sechsten Tage schuf Gott den Menschen. Und er sah, dass es gut war.
Aber als er sich am siebten Tage in seinen teuren Designerledersessel zurücksinken ließ, um genüßlich, mit einem Cocktail in der Hand, das Paradies durch die große Fensterwand vor ihm zu betrachten, passiert es: Ein lautes Klirren zerriss die Harmonie, die der himmlische Engelschor verbreitete, Splitter fielen klirrend zu Boden und ein kleines, nicht definierbares Geschoss flog direkt auf Gott zu, knallte gegen sein filigranes Cocktailglas und brachte es zum Bersten. Glassplitter flogen gleich Giftpfeilen durch die Gegend und bohrten sich in den Boden und Gottes Designerledersessel. Gott saß noch ganz benommen in dem sich langsam mit Cocktail vollsaugendem teuren Designerledersessel und starrte fassungslos auf die Lache zu seinen Füßen, als an der zersplitterten Fensterfront das verlegen grinsende Gesicht von Adam auftauchte:
"Ey sorry, Mann. Hab' ich echt net gewollt."
Er kratzte sich verlegen die zerzausten Struppelhaare und lies den Blick von der demolierten Fensterfront, über den entstellten Designerledersessel zu der kleinen splitterdurchsetzten Cocktaillache am Boden gleiten, in der sich noch ein kleiner Kieselstein drehte.
"Boah, voll heavy. Ging ja voll ab der Kiesel. Krass, gell?"
Langsam drehte sich Gott in seinem Designersessel um und richtete seinen göttlichen Blick auf Adam. Während er ihm böse anstarrte, wurde sein Gesicht erst tomatenrot, dann blutrot und schließlich weinrot. Scheißperlen bildeten sich auf seiner Stirn und verdampften dann kurz darauf wieder zu zischenden Dampffontänen.
"Ey sorry, Mann. Ey, echt, ey. Ich...äh...geh' dann mal, ne?"
Adam rannte panisch davon, während die Temperatur in Gottes Wohnung stetig stieg.
Gott nahm in Zeitlupentempo den kleinen Kieselstein und zerdrückte ihn in seiner geballten Faust zu einer kleinen kompakten Masse. Dann konnte er sich nicht mehr halten und schrie sich seine Wut, begleitet von Vulkanausbrücken, Sturmböen, Springfluten und Donnerschlägen, aus dem Leibe. All seine Wut, Boshaftigkeit und seinen Zorn den Menschen gegenüber brüllte er dem Stein entgegen, und hauchte ihm damit das Leben ein.
Und so schuf Gott am siebten Tage jene Kreatur, die allen Hass und Zorn auf die Menschheit kompensiert. Die Verköperung der Heimtücke, der Herr der Unverschämtheit, der König der Niederträchtigkeit, so entstand am siebten Tage von Gottes Schaffen sein schlimmstes Werk:
Der Schaffner.
Geboren durch den Hass auf die Menschen, lebt er nur um Unglück und Verderben eben Jenen zu bringen, so auch am Freitag:
Vollkommen unschuldig fuhr ich wie jeden Freitag von Marburg gen Heimat, doch eine dramatische Wendung ("Oberleitungsschäden und umgestürzte Bäume auf den Schienen" wie die Durchsagepraktikantin mehrmals unsicher in ihr Mikrophon säuselte) führte dazu, dass just in Gießen mein Trödelbähnlein nach Frankfurt durch einen verspäteten Schnellzug überholt wurde. Diese zunächst dramatische Wendung stellte sich jedoch schnell als Wink des Schicksals heraus, denn so konnte ich bequem in den Schnellzug umsteigen und frohen Mutes mit Gepäck und Freundin ohne lästige Zwischenstops in Frankfurt einfahren.
Und so kam es, dass ich exakt um 16:09 Uhr in Frankfurt einfuhr. Eine Zeit, die es mir ermöglichte noch den Anschlusszug um 16:10 Uhr zu nehmen.
Wie ein Bekloppter (also ein mit Gepäck beladener Student am überfüllten Frankfurter Hauptbahnhof) rannte ich durch die Massen und sah meinen Zug doch noch tatsächlich auf seinem Gleis stehen. Mit Freundin und einer Unbekannten rannten wir dem Licht am Ende des Tunnels entgegen, als vor uns die Türen zugingen.
Doch so schnell gaben wir nicht auf. Wir kämpften, rannten zur Tür und rissen sie auf.
Die Tür war auf! Wir konnten einsteigen!
Wirklich?
Hinter der Tür erhob sich ein finsterer Schatten mit dunkelblauer Uniform und Trillerpfeife um den Hals. Ein Schaffner!
"EY!! Die Tür war schon zu! Der Knopf ist doch schon gedrückt!"
Mit zornigem Gesicht griff er nach der eben geöffneten Tür und schlug sie kräftig wieder zu.
Und da stand ich mit Gepäck, Freundin und offenem Mund und musste zusehen, wie mein Zug vor meinen Augen langsam losfuhr und aus dem Bahnhof tuckerte.
Nochmal, weil's so schön war:
Beladen mit Gepäck drängelte ich mich zu meinem rettenden Zug und musste mir ansehen, wie sich die Türen vor meinen Augen schlossen. Doch glücklicherweise lies sich eine Tür noch öffnen.
Doch unglücklicherweise war ein Schaffner dahinter, der mich anschrie, die Tür vor mir wieder zuschlug und kurz darauf samt Zug und Hoffnung davonfuhr.
Und entgegen aller Hollywoodphilosophien hatte das Böse gewonnen.

Freitag, Dezember 09, 2005

Lernen geht durch den Magen

Wer dachte, dass ich bereits tot sei, wird wohl enttäuscht sein.
Noch hat mich das Studium nicht in die Knie gezwungen, im Gegenteil: All der Stress und die Hektik machen kreativ und neugierig. Und so muss es wohl gekommen sein, dass ich mich habe überreden lassen meine ersten eigenen Sushirollen zu produzieren.
Es waren meine ersten zaghaften Versuche nahrungsmitteltechnisch einfallsreich und gestalterisch kreativ zu werden, was man in Zeiten von Fastfood und Imbissbudenkost kaum noch gewohnt ist.
Als ich vor meinem ersten ausgerollten Noriblatt mit Reisüberzug saß, konnte ich die vollkommene Ungebundenheit beim Erstellen der Füllung der Sushirolle kaum fassen.
Ich saß unschlüssig und vollkommen starr vor vielen Schüsseln mit Dingen, die nur darauf warteten in meine Sushirolle gestopft zu werden. Auf meine laienhafte Frage, was man denn in eine Sushirolle hineinzustecken habe, antwortete meine erfahrene Co-Köchin nur verwirrt: "Was du willst. Das ist wie Pizza."
Pizza.
Pizza?
Was um alles in der Welt haben Pizza und Sushi denn gemeinsam, schoss es mir durch den Kopf. Leicht verwirrt legte ich vorsichtig etwas Lachs auf mein mit Reis bestrichenes Noriblatt.
"Fertig."
"Naja, wenn das alles ist, was du haben willst."
Nur wenige Augenblicke später saß ich strahlend vor meiner ersten Sushirolle. Zugegeben, rückblickend gesehen war sie etwas sehr mager, schließlich war nur ein einziges kümmerliches Streifchen Lachs hineingebettet worden, vergleichbar mit einer Pizza, auf der nur eine einsame Salamischeibe liegt.
Doch mit der Zeit wird man immer neugieriger (oder leichtsinniger?) und beginnt unzählige Zutaten wild durcheinander auf die Rohsushis zu werfen. Die Streifen von Lachs, Avokado, Omlett, Gurke und Karotte flogen nur so durch die Gegend, dass jeder Jongleur vor Freude gequietscht hätte.
Das Ergebnis meiner wilden Sushiorgie (oder besser: die Reste) sieht man auf dem nachfolgenden Bild.


Und für all diejenigen, die noch nie Sushi gegessen haben sollten: Ihr verpasst etwas!
Auch wenn sich matschiger Reis mit "Pizzabelag" in Tang eingewickelt sehr exotisch und gewöhnungsbedürftig anhören sollte, macht es Riesenspass solch ein Kunstwerk selbst zu kreiren.
Jeder der gerne selbst seine Pizza belegt, wird an selbstgemachten Sushirollen seine helle Freude haben.
Ich zumindest bin, im wahrsten Sinne des Wortes, auf den Geschmack gekommen.