Sonntag, September 25, 2005

Als Klein-Katrein auszog, um das Tanzen zu lernen

Ich hatte heute eine Verabredung mit meinem potenziellen neuen Tanzpartner. Dass ich nicht das Gelbe vom Ei erwartete, darauf habe ich mich schon eingestellt. Dieser Abend heute sollte aber meine kühnsten Erwartungen übertreffen, was an Peinlichem möglich sein kann. An mir hat es nicht gelegen, wie könnt ihr das denken? Es gibt aber einfach Leute, die sind von Natur aus peinlich, auch wenn diese Spezies selten ist. Aber zum Glück habe ich ja ein geschicktes Händchen dabei, diese rarsten Perlen herauszufischen.

Ich war schon um 19 Uhr in Darmstadt, und hatte noch eine volle Stunde totzuschlagen. Ich habe mir deswegen nicht viele Sorgen gemacht, im Zeit-beim-Warten-auf-öffentliche-Verkehrsmittel-totschlagen vertraue ich auf meine langjährige Erfahrung. Also bin ich selbstbewusst in das nächste Kino marschiert und habe mich an den Tisch im Foyer gesetzt. Ich, mein Kirschgarten, unterbeschäftigtes Kinopersonal und ziemlich gute Musik aus dem Radio, dazu der Geruch von frischem Popcorn, so habe ich mich auf den Abend, der da kommen sollte, eingestimmt.

Dann komme ich also erwartungsfroh an und stoße prompt auf einen großen- sagen wir- „Herrn“, der mir unter allen anderen Umständen nicht mal aufgefallen wäre, wenn auf seiner Stirn „Eier“ geschrieben wäre. Und ja, das war Harald. „Harald“. Hallo „Harald“. Ich setze mein leuchtendstes, charmantestes Lächeln auf, und merke sofort, dass es an ihm völlig verschwendet ist. Und dabei liegt es nicht mal an seinem Tick, zu allen passenden und unpassenden Kommentaren mit „Ja, richtig, ja“ zu antworten und dabei wie ein Wilder mit dem Kopf zu nicken. Das ist dann immer die Stelle gewesen, in der sich die andere Person in einer Sitcom, in dem Fall ich, zur Kamera dreht und übertrieben mit den Augen rollt. Gut, niemand ist perfekt. ABER es gibt trotzdem keine Rechtfertigung dafür, mit SO einer Jeansjacke aufzutauchen, wie es Harald tat. Ich habe noch nie so eine schlecht sitzende und unmodische Jeansjacke gesehen. Sie war das erste, was mir an ihm auffiel, sie sprang mir regelrecht ins Auge wie ein kleines Klammeräffchen. Sie sollte sich schämen, sich von so einer Person tragen zu lassen, die Jeansjacke. Überhaupt hatte „Harald“ mit seinen siebenundreißig Jahren den Charme eines Pferds. Nein, einer Küchenschabe. Aber ich will die Küchenschabe nicht beleidigen. Es ist unglaublich, ich bin so einer Person noch nie begegnet. Jetzt habt ihr den Eindruck, ich sei total oberflächlich. Aber das stimmt nicht. Ohnehin habe ich mir schon zu Beginn gesagt, dass mir diese Äußerlichkeiten unwichtig sein werden, wenn man gut miteinander tanzen kann. Und auf „GoldII“-Niveau tanzte man nach meiner Vorstellung wie ein Gott. Leider war „Harald“ so beweglich wie ein Stock. Nur beim Anblick dieser unbeholfenen, abgehackten Bewegungen läuft es mir kalt den Rücken herunter. Er war ja der festen Überzeugung, dass der Herr führen sollte. ...einen ECHTEN kalten Schauer später... also, wie sagte ich, der Herr soll führen. Aber NICHT ohne Rücksicht auf die Konstitution der fragilen Dame sie hin und her schubsen, wie einem der Schnabel gewachsen ist!

Das Niveau meines goldigen Partners erwies sich schnell als extrem ausbaubedürftig. Mir kam es so vor, dass er in jedem Tanz die selben drei Schritte abspulte; auf eine mechanische Weise, dass einem die Tränen kommen könnten. Tanzen soll doch Spaß machen, was zum Beispiel durch ein Lächeln oder einer anderen Geste des Wohlwollens ausgedrückt werden könnte.. notfalls auch gespielt. Ich dachte, dass seien die einfachsten gesellschaftlichen Konventionen, die man mit neun Jahren gelernt hat.

Übrigens will ich erwähnen, dass er sich in der Anzeige, auf die antwortete, als „gutaussehend“ und „sportlich“ bezeichnet hatte. Erlaubt mir, laut aufzulachen. Mit seinem Alter hätte er vom Aussehen her locker mein OPA sein können.

Jetzt wird´s langsam eine Karikatur, aber ich spreche nichts als die Wahrheit. „Harald“ hätte mit seinem Outfit und seinem Aussehen nicht nur jedem Hauptschul-Hausmeister Konkurrenz machen können. Er hatte zudem einen Mundgeruch zum Fliegentöten!! Nach zwei Tänzen tropfte ihm der Schweiß die Nasenspitze runter und lief über seinen Mund, so das beim Sprechen die Tropfen nur so spritzen. Das ist keine Übertreibung. Also ich tanze, drehe mich, und schaue verzweifelt in die Runde, wer mich den retten könnte. Gibt es keinen netten Gymnasial-Hausmeister, der mit mir eine Runde tanzen würde?? Aber es war hoffnungslos, denn wohin man schaut nur Paare. Glückliche, sich im Kreise drehende, lachende Paare. Meine Strumpfhose zerreisst, weil mir „Harald“ wieder auf die Zehen getreten ist.

Roboter-Harald ist übrigens leitender Angestellter für Kläranlageninstallationen. Er plant und baut sie. Oder so. Nichts gegen Kläranlageninstallationen. Aber sie verrohen ihre leitenden Angestellten. Wobei, jetzt wissen wir auch, woher der Mundgeruch kommen könnte...

Vielleicht konntet ihr bis jetzt meiner Erzählung mit Totengräbermine folgen. Ich auf jeden Fall musste während des Abends es mir mehrmals verkneifen, laut aufzulachen. Eigentlich war das alles doch so witzig! Ich habe mich schon „amüsiert“; soweit dies möglich ist. Der Saal, die Musik, die Stimmung waren ja auch wirklich gut. Trotzdem habe ich mir mehrmals auf die Lippen gebissen und innerlich laut aufgelacht. .... kurz vor 22 Uhr habe ich dann bedauernd erklärt, dass ich zum Bus müsse, der ja bedauerlicherweise nur alle zwei Stunden fahren würde. Und 24 Uhr, das wäre doch wirklich zu spät.... Vor allen Dingen, weil die Veranstaltung schon um 23 Uhr ende, nicht wahr. „Ja, richtig, ja.“ NICKNICKNICK. Aber der galante Herr hat mich natürlich zu der Bushaltestelle begleitet. Wo natürlich weit und breit kein Bus war. Aber schließlich wolle ich ihm nicht zumuten, mit mir auf den Bus zu warten. Vor allen Dingen, weil ich ja nicht mal so genau wüsste, wann er denn kommt! Keine Ahnung, ob er gemerkt hatte, dass das mit dem Bus reine Schwindelei war, es kann gut sein, so doof war er dann nicht. Er meinte wiederholt, dass wir ja gemeinsam einen Salsa-Kurs machen könnten, und ich habe das natürlich global-galaktisch als möglich bestätigt. Was man nicht der Höflichkeit halber alles sagt... Er muss doch auch gemerkt haben, dass wir kaum miteinander tanzen können... Ich auf jeden Fall weiß, dass ich diese Person nie wieder sehen werde.

Aus der tiefsten Provinz

Hätte ich noch einen Beweis dafür gebraucht, dass wir uns hier in (ein grauenvolles Schauern später), in XXX in der tiefsten Provinz befinden, die von ignoranten Neandertalern in unbeheizten Höhlen bewohnt wird, heute habe ich ihn bekommen. Dies ist die Geschichte von ..., die auszog, um sich eine simple Zeitung zu kaufen.

Es sollte aber nicht irgendeine Zeitung sein, auch nicht die ZEITUNG (wie bei Böll), oder vielleicht die BILD, nein, ich hätte heute so gerne eine Ausgabe der "Süddeutschen" in der Hand gehalten, habe ich mich doch endlich rechtzeitig daran erinnert, dass besagte Zeitung jeden Montag mit einer Sonderausgabe der "New York Times" oder eines ähnlichen, auf jeden Fall englischsprachigen Blattes bestückt ist. Ich scheute keine Mühe und bin zur Total-Tankstelle gefahren (diese neben dem nach Frittierfett stinkenden Schnellimbissrestaurant) in XXX. Dort gab es zwar die FAZ, besagte Bild und unser Provinzblatt, aber eben nicht die Süddeutsche. Bestimmt war die wegen übermäßig großer Nachfrage schon längst vergriffen??

Danach war ich in zwei weiteren Einkaufsmärkten, wo sie Zeitschriften verkaufen, nirgendwo die besagte Zeitung. Ich frage mich- gehört das so? Bei der Süddeutschen handelt es sich nicht etwa um irgendeinen Fachschrott, sagen wir mal eine Zeitschrift für Guppy-Züchter, die nur von irgendwelchen eingefleischten Freaks gekauft wird. Nein, sie ist doch eigentlich eine recht bekannte und, ja, auch intellektuell fordernde Zeitung. DAS führte in G. in R. bei F. in H. wohl zu ihrem Aussterben...

Eigentlich ist es nichts Weltbewegendes, aber: man stelle sich vor. Hier bei uns gibt es also nur stinköde Provinzreportagen, schreierische Großformate und erzkonservative Kapitalistenlektüre. Gut, es gibt natürlich überall den Fokus und den Stern und den Spiegel und so, was akzeptables Lesefutter sein könnte. Aber ich wette, dass die nur wegen ihrer tollen buntigen Umschlägen und den vielen lustigen Bildern drinnen in den Regalen stehen...

Mittwoch, September 21, 2005

Kreative Poesie

In einem spontanen Anfall von Kreativität haben meine Freunde und ich diese entsetzlich tiefgründigen Gedichte erstellt, die natürlich ALLE eine wichtige weltpolitische und gesellschaftskritische Aussage haben.
(Bitte steinigt mich nicht, weil ich sie veröffentliche! Wer keine Schuld an diesen Gedichten hat, möge den ersten Stein werfen.)

(1)
Verrückte Zeit

Vier Sünden herrschen
und irgendein Nichtraucher
Maschinen für Fortschritt, zuverlässig
verschwinden hinter ihm

(2)
Inhalt: Auslandshotline

Funkanstalten audiometrisch erworben,
staatliche Servicekauffrau erhalten.
Berufsakademie Theaterwissenschaft; Ausbildungsinhalt?
Veterinärmedizinische Erforschung wird Teilzeitform.

(3)
SITZEN.
Ihr schiebt gleichgültig Goldmünzen,
Sprecht böse,
Liebt es doch, das Bare.
Mich, mich!!
WEGGEHEN.

(4)
Welche Gelassenheit?
Dank dir wieder verärgert!
Befähigt einem unbekannte Begleiterscheinung,
Brachen Insel mit diesem Eindruck.

(5)
Herrentoilette
Als mir jeder Zufall Beweis war,
Zerfetzte kein Ruf nicht,
Als Anpfiff ablief.

(6)
Gefängnis

Gewickeltes sonst überlassen.
Wand durschauen, tanzbrausend...
...und er unterliegt Mozart.
Schwarzer Raum.

(7)
Privatklage

Tiefseetauchgerät ausgestattet:
industrialisieren, explodieren...
Swapgeschäfte verhindern.
Gegebenenfalls Zivilcourage.

(8)
Natürlich

Denkbare Angelegenheiten erschrecken,
Als sie unter sich stand.
Du und die Gesonnenen,
Natürlich um.

(9)
Mit behutsamer Miene lassen DIE vordergründige Probleme aus.
Noch Erwarten, noch Bewundern.
Schließlich tritt die Vertragszeit.


Für den unwahrscheinlichen Fall, dass jemand nicht weiß wie man diese Gedichte erstellt:
(Man blättert durch ein Buch, deutet zufällig mit dem Finger auf die Seite und notiert das getroffene Wort) x 15
Dann werden alle Wörter in eine beliebige Reihenfolge gebracht.

Sonntag, September 11, 2005

Die Krone der Technik

Dass Computer zuweilen etwas eigensinnig sind, dürfte wohl für niemanden wirklich neu sein. Auch mein Computer macht hier keine Ausnahme und erfreut sich bestialisch daran, wenn er mich mal wieder zu der Rechenformel "Strg + Alt Gr + Entf = neues Glück" getrieben hat.
Für gewöhnlich ist er zur Genüge bedient, wenn er mich einmal am Tag grundlos aus dem Internet wirft, eine handvoll Fehlermeldungen anzeigt und dreimal meinen Explorer das Zeitliche segnen lässt.
Manchmal gibt sich meine Rechenmaschine aber auch mehr Mühe und lässt die Tonwiedergabe plötzlich abbrechen, weigert sich einen Druckauftrag anzunehmen, behauptet keine angeschlossene Maus vorzufinden oder beschließt nicht mehr aus dem StandBy-Modus aufzuwachen.
Gelegentlich, wenn er das Gefühl hat eine lange Zeit nicht mehr heimtückisch und gemein genug gewesen zu sein, setzt er mich vor ein paar wirkliche Schmankerl:
Einmal fand er es ganz lustig den Bildschirm nach fünfminütiger Benutzung in ein nervöses Ruckeln, dann ein nerviges Flackern und schließlich in ein nichtssagendes Schwarz zu tauchen.
Ein anderes Mal kam er auf die Idee genau unter meiner Hand eine Batterie in der Maus explodieren zu lassen.
Zwischendurch hatte er auch eine Phase, in der er insgesamt 3 CD-ROM-Laufwerke in wenigen Monaten verschrottete, samt CD.
Erst gestern musste sich die "Krone der Technik" für so erhaben gehalten haben, dass sie dem armen Drucker ein Blatt dermaßen ungeschickt ins Maul stopfte, woraufhin ich nachts fast eine Stunde lang mit Schraubenzieher und tintenverschmierten Händen vor einem Berg von Plastik, Papier und Technik saß, um einen kleinen Schnipsel Papier wieder ans Tageslicht (= Küchenlampenlicht) zu bringen.
Irgendwann resigniert man und gesteht sich ein, dass der Computer am längeren Hebel sitzt. Dann kauft man neue Batterien, einen neuen Monitor und neue CD-ROM-Laufwerke.
Vor ein paar Tagen muss sich mein Computer etwa Folgendes gedacht haben: "Wie verdirbt man jemandem den Spass am Internet? Vielleicht indem man ihn schlicht und einfach nichts mehr lesen lässt! Genial!"
Ja, genial. Seit ein paar Tagen schaltet er beim Surfen im Netz beliebig zwischen allen nur erdenklichen Codierungen hin und her, woraus ein sehr übersichtliches Gesamtbild vor dem Benutzer des PCs entsteht. Übersichtlich muss es ja sein, schließlich wird man nicht länger durch störende Buchstaben oder Zahlen abgelenkt.
Wo das Auge nur hinblickt werden nun meist Leerzeichen oder hübsche kleine Rechtecke angezeigt. Gelegentlich ist mein Rechner aber gnädig und gewährt mir Einblicke in sein Können, indem er die Leerzeichen durch seltene Hieroglyphen wie kyrillische Schriftzeichen, Prozent-, Dollar-, Satzzeichen, Klammern aller Art oder mir noch unbekannte Gebilde ersetzt.

Ach ja, Technik ist doch etwas Wundervolles. Oder wie mein Computer zu sagen pflegt:
"ウェブウェブページから検索"

Montag, September 05, 2005

Ich mache den Führerschein

Mein erstes Praktikum habe ich auf einem Campingplatz an der französischen Atlantikküste absolviert. Campingfreunde aus aller Herren Länder (also aus Frankreich, Deutschland, England) gaben an diesem Flecken Erde ihr hart zusammengespartes Gehalt aus, um einen erholsamen Sommerurlaub zu verbringen. Meine Aufgabe bestand vor allen Dingen darin, recht freundlich dreinzuschauen, der Nationalität des Kunden entsprechend in seiner Muttersprache seine Fragen zu beantworten ("Haben Sie Fahrradkarten?" "Haben Sie Telefonkarten?"), Büroarbeiten zu erledigen und... Golfette zu fahren. GOLFETTE? Das war für mich eines der Dinge, von denen ich zwar weiß, dass sie existieren, aber über deren Funktion man sich nie wirklich Gedanken gemacht hat. Eine Golfette ist das kleine lustige batteriebetriebene Auto, dass man wohl auf Golfplätzen einsetzt, um seinem virtuos abgeschlagenen Ball nachzufahren. Auf dem Campingplatz diente es weitaus praktischeren Einsatzgebieten. Um jeden Morgen festzustellen, dass auch alle Gäste, die abfahren sollten, abgefahren sind, musste man mit der Golfette seine Runden auf dem Platz drehen und alle Stellplätze kontrollieren. Etwaige Abweichungen von der zuvor ausgedruckten Liste waren schleunigst über Funk an die Rezeption zu übermitteln.
Man stelle sich mein erschrockenes Gesicht vor, als ich zum ersten Mal jene Liste in die Hand gedrückt bekam. "Tu prends la golfette et tu fais les sorties." Faire les SORTIES?? (Keine Angst, das ist kein Französisch, das ist französischer Campingslang.) Und vor allen Dingen: Prendre la GOLFETTE?? Anmerkung an alle, die meine Wenigkeit nicht kennen: ich habe, meines Greisenalters zum Trotz, keinen Führerschein. Und jetzt sollte ausgerechnet ich dieses Ding nehmen und mir mein Handicap nicht anmerken lassen. "Du hast eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen. Dir kann nichts passieren."
Um es kurz zu machen, ich habe auch diese Herausforderung elegant gemeistert. Schon bald konnte man meinen Fahrstil nicht mehr von dem einer gewöhnlichen Frau unterscheiden. Ich drehte meine Runden in der GOLFETTE und die Menschen am Straßenrand, Männer, Frauen und Kinder, nickten mir anerkennend zu. Die Stunden für die Fahrten in der GOLFETTE wurden zu den schönsten der ganzen Woche. Eine waschechte Autodidaktin lernt eben auch selbst Auto fahren!

Sonntag, September 04, 2005

Der verfluchte erste Post

Ist es nicht beängstigend, dass jeder Mensch auf der Welt, der Internetzugang hat, genau DIESEN Post lesen (...gedankliche Verbesserung: sehen) könnte?
Ich habe das Gefühl, dass ich etwas Wichtiges und Denkwürdiges in meinen ersten Post schreiben sollte, damit all jene, die zufällig über diesen Post stolpern, anerkennend mit dem Kopf nicken und die Tiefgründigkeit meiner niedergeschriebenen Gedanken bewundern.
Doch was soll ich schreiben? Was erwartet man, was in einem ersten Post steht?
Es bedurfte keiner langen Odyssee zum Erstellen dieses Blogs, die ich nun auf amüsante Weise mit Witz und Esprit in eine Geschichte verpacken könnte, damit jeder über die sprachliche Kreativität und Wendigkeit meiner Wenigkeit hingerissn würde.
Es gibt auch niemanden, dem ich für seine rege Hilfe am Aufbau dieser Seite meinen Dank aussprechen könnte, denn in einer plötzlichen Anwandlung von Spontanität ist dieses Blog auf meinem eigenen Mist gewachsen.
Eine herzzerreissende Geschichte zu mir selbst und den Beweggründen dieses Blog zu eröffnen kann ich auch nicht anbieten.
Was soll ich also schreiben?
Sollte ich mich vorstellen?
Nein, denn es ist ja niemand hier, dem ich mich vorstellen könnte. Niemand weiß von dieser Seite. Und wenn sie jemand findet, ist er mit ziemlicher Sicherheit von mir hierher gelenkt worden und dann kennt er mich ohnehin. Warum sollte ich mich also einem Freund vorstellen? Und selbst WENN jemand, der mich nicht kennen sollte hierher gelangt, was geht es ihn an wo ich wohne, was meine Hobbys sind und wo ich meine Zahnpasta kaufe?
Vielleicht sollte ich ein passendes Lied suchen und online stellen um meine Seite mit einer Overtüre zu versehen.
Aber ich weiß gar nicht wie man ein Lied auf solch eine Seite bringt. Schließlich habe ich mich erst vor einer halben Stunde angemeldet und habe von meinen technischen Möglichkeiten hier so viel Ahnung wie eine Kuh vom Rückwärtsfliegen. Und selbst WENN ich es wüßte, würde ich wahrscheinlich stundenlang nach einem passenden Lied zur Eröffnung eines Blogs suchen. Und dann käme ich sicherlich wieder an meinem ersten Problem an: der Tiefgründigkeit.
Ich könne meine Ziele und Wünsche, die ich mit diesem Blog verbinde, erklären.
Aber ich weiß selbst nicht wohin diese Seit führen wird:
Werde ich gelegentlich gedankliche Ergüße von mir geben?
Wird diese Seite eine Platform für Kontakte zu Freunden?
Kann dieses Blog bald als virtuelle Vernissage bewundert werden?
Vielleicht verstaubt diese Domain und wird ewig ungenutzt bleiben?
Wer weiß schon wohin mich diese Seite führen wird? Ich kann und möchte mich gar nicht festlegen, denn dann verliert diese Seite genau das, womit sie vor 30 Minuten begonnen hat: Spontanität.
Und jetzt sitze ich hier und weiß noch immer nicht wie man den perfekten ersten Post schreibt.
Was bleibt mir anderes übrig als zu hoffen, dass es mir niemand übel nehmen wird, dass ich keine bedeutenden und weltverändernden Reden gehalten habe.
Die Welt wird sich durch meinen sinnlosen, ersten Post sicher nicht ändern.
Ich entschuldige mich bei all jenen, die mehr Substanz und Tiefgründigkeit bei einem ersten Post erhofft habe; bei meinen Freunden, bei den stummen Surfern, die hier zufällig vorbeikommen, bei den Neugierigen, die Blogs auf die Tiefgründigkeit des ersten Posts untersuchen und all den anderen, die sich durch diesen ellenlangen Post gekämpft haben ohne eine Erkenntnis erlagt zu haben.
Von nun an kann es nurnoch bergauf gehen.