Als ich an diesem Wochenende in alpinere Regionen gefahren bin, um mich am Ski-Langlauf zu probieren (das heißst modischerweise „Skaten“ und erinnerte mich dumpf an fast vergessene Sportstunden bei Herr Kilian in der neunten Klasse; Leidensgenossen wissen, von was ich rede), war selbst in den sauerstoffärmsten Höhen Frankreichs die Schneemenge einfach nur mickrig. Als ich nach zwei Tagen mit trotzdem rosigen Backen auf der Rückfahrt vage über katastrophale Klimawandel sinnierte, hatte die Wettervorhersage schon weißen Niederschlag und sinkende Temperaturen für Clermont angekündigt. Und tatsächlich, Ende Januar der erste Schnee.
Selbst Naturereignisse wie diese geben hier Aufschlüsse über die Kultur. In Deutschland habe ich zum Beispiel immer staunend bewundert, wie bei Schneefall um sechs Uhr morgens alle Straßen schon geräumt und fleißig ausgestreut waren, so dass der verschlafene Gymnasiast ein, zwei Stunden später sicher zum Bahnhof stapfen konnte. Fragt man nach, wird man denn eifrig belehrt, dass in irgendeinem Gesetzestext, der bestimmt existiert, steht, Ausrutscher vor der Haustür gingen ganz auf Rechnung des säumigen Straßenräumers. Aber irgendwie sprechen die peinlich geräumten Straßen doch auch von einem deutschen Ordnungsgeist.
Hier wurde auf jeden Fall nicht geräumt. Weder um halb sieben morgens noch um drei Uhr mittags. Die Bürgersteige verwandelten sich in kraterige Eislandschaften, die Straßen wurden spiegelglatt, der Verkehr quälte sich zäh durch die zweispurigen Einbahnstraßen.
Ich habe meine Mondstiefel angezogen und bin verschlafen zur Uni gestapft.