Mittwoch, Januar 17, 2007

Reden wir über Matratzen

Das zweite Mal, als mir der Verdacht kam, dass mit meiner Matratze vielleicht etwas nicht stimmt, war, als ich das gleiche Modell in einem Film über den zweiten Weltkrieg gesehen habe, genauso weiß-braun gestreift (das erste Mal war, als meine Mutter zu Besuch die Isomatte auf dem Boden vorzog „auf das Ding da leg ich mich nicht“). Aber man gewöhnt sich an alles und es liegt in der Natur der Sache, dass man sich seiner Matratze dann erinnert, wenn man zu müde ist, um sich um irgendetwas zu kümmern („aber morgen kümmere ich mich ganz bestimmt darum“).

Diese Matratze ist wie ein riesiger, weitästiger Baobab. Sein Gedächtnis ist unermesslich.Er hat Menschenkinder geboren und sterben gesehen. Königreiche sind mit ihm aufgestiegen und untergegangen. Sanft fälle ich in die Mitte meiner Matratze. Sanft wiegt sie mich an ihrem Busen und brummt bedeutungsschwer: „Jetzt bist du schon so tief eingesunken, da kannst du auch ganz hier bleiben.“ Und ich wache jeden Morgen auf steif wie ein Stock.

Deswegen habe ich das Ding jetzt kurzerhand auf dem Boden ausgebreitet, was ich übrigens jedem empfehlen kann, auch jenen mit jugendfrischer Matratze. Plötzlich hat man nämlich das Gefühl, bei sich selbst zu Hause zu Gast zu sein wie bei Verwandten in Hamburg. Man hat das Gefühl, in einem schönen Übergangszustand zu leben. So wie bei vielen Dingen.

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